Freiburger „Start Up – Stories“ oder: Über die Chancen und Risiken des Gründens

Die Entscheidung, ein Start-Up zu gründen, verlangt potentiellen Gründern viel Mut ab: Der Weg von der Idee bis zum laufenden Unternehmen ist steinig und hält einiges an Stolpersteinen bereit. Davon kann auch Idana-Mitgründerin Lilian Rettegi ein Lied singen, in der Podiumsdiskussion während der Freiburger „Start Up Stories“ am vergangenen Donnerstag in der Lobby des Freiburger Zentrums für interaktive Werkstoffe und bioinspirierte Technologien (FIT) kommt sie aber trotzdem zu dem Schluss: „Bis heute habe ich meine Entscheidung zu gründen keinen Tag bereut.“

Die Eventreihe „Start Up Stories: Studierst du noch oder gründest du schon?“ ist Teil einer großangelegten Gründungsoffensive des Landes Baden-Württemberg und geht auf eine Initiative des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg zurück. Baden-Württemberg erweist sich im bundesweiten Vergleich zwar schon als gründerfreundlicher Standort – davon zeugt unter anderem die Institution des Innovationsgutscheins BW, die das Land an Tech-Unternehmen wie beispielsweise Idana vergibt und damit die technische Entwicklung vielversprechender Produktideen unterstützt – dennoch ist die Bereitschaft zu gründen unter Berufsanfänger nach wie vor relativ gering.

Wie Wissenschaftsministerin Theresia Bauer im Rahmen der Karlsruher „Start Up Stories“ betonte, liegt das unter anderem daran, dass Hochschulabsolventen während ihres Studiums noch kaum mit der Gründerszene in Kontakt kommen. Selbstständigkeit als Berufsperspektive ist im Bewusstsein der Studierenden oftmals nicht präsent, stellte die Ministerin Bauer an der DHBW Karlsruhe fest. Hochschulen und Universitäten können zum Ausbau einer Gründerszene beitragen, indem sie angehenden Gründern beratend zur Seite stehen, ihnen Ansprechpartner und Netzwerke vermitteln: „Wir wollen potenziellen Gründern schon im Studium das nötige Rüstzeug an die Hand geben, um mit ihrer Idee erfolgreich zu sein“, so Theresia Bauer.

Ein breites Angebot an Coaching und Beratung im Bereich Entrepeneurship ist an der Universität Freiburg vorhanden. Das Gründerbüro berät Gründungsinteressierte und Jungunternehmer, Kurse für „berufsfeldorientierende Kompetenzen“ (BOK) führen Studierende oftmals spielerisch an das Thema heran, Wettbewerbe wie der „Startinsland“-Businessplanwettbewerb wenden sich auch an ein nichtuniversitäres Publikum – was Freiburg sonst noch für Gründer zu bieten hat, ebenfalls auf unserem Blog.

Auch die „Start Up Stories“ sind Teil des Informations- und Weiterbildungsprogramm. In Freiburg diskutierte Theresia Bauer mit Idana-Mitgründerin Lilian Rettegi, Mark-Thorsten Lipps, dem Vorsitzenden des Vereins der „Black Forest Business Angels“, Katharina Birkner, der Gründerin der Lohmann & Birkner Health Care Consulting GmbH, und dem Psychologen Markus Strauch, der an der Universität Freiburg für die Koordination von Lehre und Weiterbildung verantwortlich ist, über Chancen und Herausforderungen des Gründens.

Während Theresia Bauer die Hochschulen in die Pflicht nahm, Gründen als Karriereweg populärer zu machen und Studierende bestmöglich darauf vorzubereiten – einem Anliegen, das Markus Strauch unterstrich und auf das kreative Potenzial verwies, das in Freiburgern Studierenden schlummert – berichteten Lilian Rettegi und Katharina Birkner von ihren eigenen Erfahrungen als Gründerinnen. Beide waren sich einig: Die heiße Phase zwischen Produktidee und Marktreife ist das Nadelöhr, durch das ein Start-Up gelangen muss, bevor es durchstarten kann. Die Schwierigkeit bestehe darin, Investoren zu finden, die bereit sind in eine neue Idee, sei es eine Software, eine Dienstleistung oder ein greifbares Produkt, zu investieren.

Das bestätigte auch der Business Angels-Vorsitzender Mark-Thorsten Lipps und forderte das knapp rund achtzigköpfige Publikum dazu auf, selbst als Investor aktiv zu werden. Zwar bräuchten nicht alle Arten von Unternehmen zu Beginn ein hohes Fremdkapital, gerade Geisteswissenschaftler, die sich oftmals im Dienstleistungsbereich selbstständig machen, kommen meist ohne größere Summen aus, um sich eine Geschäftsexistenz aufzubauen, für Start-Ups in der Tech-Branche sei das Einwerben von Fremdkapital jedoch überlebensnotwendig. Aus Investorensicht, so Lipps, seien besonders solche Unternehmen attraktiv, die skalierbar sind, bei denen die Investitionen also in einen langfristigen Vorteil umgewandelt werden können.

Eine weitere Möglichkeit für Start-Ups, Fremdkapital einzuwerben, kündigte Theresia Bauer mit dem Projekt des Venture Capital Fonds BW an, der innovativen und wachstumsstarken Unternehmen in Baden-Württemberg Eigenkapital bietet und junge innovative Unternehmen auf ihrem Weg zu Markt- und Technologieführern unterstützen möchte. Als Wachstumsfinanzierung kommt der Fonds jedoch nicht für solche Unternehmen in Frage, die noch in der schwierigen Frühphase stecken. Andere Förderungsinitiativen wie beispielsweise das Junge Innovatoren-Stipendiums des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung füllen hier jedoch eine Lücke und stellen eine bundesweit einzigartige Hilfestellung dar.

 

Über die Freiburger „Start Up Stories“ berichtete auch die Badische Zeitung.

Hier die Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

 

 

 

 

 

 

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